| DA003 |
| Birgitten, Altomünster |
| 1413-2013 |
| Bestand |
Nach einer Legende soll der iro-schottische Alto von König Pippin dem Jüngeren im Donau-Isar-Hügelland nahe der Glonn einen Wald geschenkt bekommen und dort ein kleines Kloster errichtet haben. Als Beleg der Existenz Altos gilt ein Vermerk in einer Schenkungsurkunde, in der er als Reclusus erwähnt wird. Aus dieser Niederlassung erwuchs ein Benediktinerkloster, das jedoch in den Ungarnstürmen des 10. Jahrhunderts zerstört wurde. Um die Jahrtausendwende ließen die Welfen das Kloster erneuern. Auch in den folgenden Jahren förderten sie das klösterliche Leben in Altomünster. So setzten sie sich etwa für den Weggang der Benediktinermönche aus Altomünster in das welfische Hauskloster Weingarten ein (1056). Im Gegenzug zogen die Benediktinerinnen des Frauenklosters Weingarten nach Altomünster. So kam das Kloster in den Besitz der Frauen vom Orden des Heiligen Benedikt. In dieser Zeit gedieh das Stift und beherbergte zahlreiche Töchter aus bedeutenden Adelsgeschlechtern. Nach Jahren des Wohlstands geriet das Kloster im Spätmittelalter jedoch zunehmend in Verfall. Daraufhin nahm sich Herzog Georg der Reiche von Niederbayern des Klosters an. Er ließ das krisengeschüttelte Kloster im Jahr 1488 zunächst aufheben. Auf Betreiben von Wolfgang von Sandizell aus dem Erlöserorden (nach seiner Gründerin der heiligen Birgitta von Schweden auch Birgittenorden genannt) wurde das Kloster in Altomünster im Jahr 1497 mit Genehmigung des Papstes Innozenz VIII. als Doppelkloster des Birgittenordens mit 25 Mönchen und 50 Nonnen wiederbelebt. 1499 endete die Abhängigkeit vom Mutterkloster Maihingen. Gemäß der Ordensregel unterstand das Kloster dem Diözesanbischof in Freising. Er übertrug dem Kloster 1504 die Pfarrei Altomünster. Aus dem Kloster in Maihingen wurden vorübergehend 15 weitere Frauen, fünf Priester und drei Laienbrüder nach Altomünster berufen. Der spätere Basler Reformator Johannes Oekolampad trat um das Jahr 1519 ins Kloster ein. Im Laufe der Jahre wurde er zum glühenden Anhänger Luthers und verließ später mit zehn Ordensbrüdern und einer Nonne den Konvent und seinen Orden. Zu dieser Zeit befand sich Kloster Altomünster in einer wirtschaftlichen Blüte. So gehörten um das Jahr 1600 zum Gutshof der Abtei mehr als 350 Anwesen im heutigen Oberbayern sowie mehrere Weingüter in Südtirol. Die Brüder und Schwestern kamen in dieser Zeit hauptsächlich aus Handwerks-, Wirts- und Beamtenfamilien aus München und Augsburg, insbesondere aber auch aus Altomünster und der näheren Umgebung. Zu den besonders einschneidenden Ereignissen zählten für den Konvent während des Dreißigjährigen Krieges vor allem der Schwedeneinfall im Jahr 1632, die Pestepidemie von 1634 und die Hungersnot von 1635. Nach dem Westfälischen Friedensschluss erwählte das Generalkapitel des Erlöserordens den Prior von Altomünster, Simon Hörmann (1669-1701), zum Ordensgeneral. Dies bedeutete für das Kloster eine Bedeutungssteigerung innerhalb des Ordens. Im Jahr 1692 erwarb Altomünster mit Hilfe des Kurfürsten Max Emmanuel das Haus der Ordensgründerin Brigitta an der Piazza Farnese in Rom. Zwei Priestern des Ordens wurde erlaubt, in das Haus der Heiligen Birgitta in Rom einzuziehen. Diese römische Filiale des Stiftes Altomünster bestand über 100 Jahre bis zum Jahr 1798, in welchem der letzte Prior des Casa di Santa Brigida, Matthäus Ludwig, durch die Franzosen in den Napoleonischen Feldzügen vertrieben wurde. Unter Leitung des Priors Jakob Scheck wurde 1729 der Klosterbau von Altomünster erweitert und umgestaltet. Im Jahr 1763 erfolgte die Grundsteinlegung zu einem Neubau des Gotteshauses. Hofbaumeister war Johann Michael Fischer aus München. Nach zehnjähriger Bauzeit konnte diese letzte Rokoko-Kirche Bayerns vom Bischof Ludwig von Freising eingeweiht werden. Schon früh warf die Säkularisation ihren Schatten auf Kloster Altomünster. So erfolgte bereits im Jahr 1801 die Beschlagnahmung großer Teile des Kirchensilbers. Im Folgejahr mussten wegen der Auflösung des Paulanerinnen-Klosters mehrere Nonnen in Altomünster aufgenommen werden. Im Jahr 1803 erfolgte dann die Auflösung des Birgittenklosters. Da sich für das Kloster jedoch kein Käufer fand, durften die Nonnen dort bleiben. Allerdings wurde ihnen das gemeinsame Chorgebet untersagt. Das Kloster wurde von Priorinnen weitergeleitet, die Wahl einer Äbtissin unterblieb in den folgenden Jahren und Jahrzehnten. Im Jahr 1805 wurde Altomünster als selbstständige Pfarrei konstituiert. Ihr erster Pfarrer war Magnus Ignaz Nerb. 1830 lebten in Altomünster 20Nonnen in der alten Klausur und fünf Mönche in ihrem Privatdomizil. 1837 bestand der Konvent nur noch aus vier Nonnen. Das Erzbischöfliche Ordinariat München und Freising befürwortete nun die Übernahme von Altomünster durch den jungen, tatkräftigen Orden der Armen Schulschwestern. König Ludwig I. von Bayern genehmigte im Jahr 1841 die Aufnahme von Kandidatinnen in Altomünster und förderte damit den Fortbestand des Klosters als reiner Frauenkonvent. Ein Jahr später vollzog Domdechant von Oettl mit einem feierlichen Gottesdienst die Wiederherstellung der Klausur und die Einkleidung von zehn Novizinnen. 1850 genehmigte König Max II. dem Kapitel den Rückkauf des Frauentrakts aus Staatsbesitz. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs erreichte die Frauengemeinschaft mit 59 Nonnen die höchste Stärke in ihrer Geschichte. Im 20. Jahrhundert machte sich ein allgemeiner Rückgang der kontemplativen Ordensgemeinschaften bemerkbar, der sich auch deutlich in Altomünster zeigte. Bis zum Jahr 2002 ging die Zahl der Ordensschwestern auf sechs zurück. 2016 lebte im Birgittenkloster Altomünster nur mehr Schwester Apollonia Buchinger. Im Januar 2017 wurde das Kloster durch ein Dekret des Vatikans aufgelöst. Das Kloster samt Einrichtung und Besitzungen ging an das Erzbistum München und Freising über. Das Kloster Altomünster besaß eine Vielzahl von Kostbarkeiten. Dort bewahrte man die Hirnschale des Heiligen Alto als Reliquie auf. Darüber hinaus wurde auch jenes Messer bewahrt, mit dem Alto der Legende nach die Bäume des Waldes kennzeichnete. Des Weiteren war das Kloster im Besitz des Reisestabs und der Trinkschale der heiligen Birgitta. Besonders hervorzuheben ist auch der Schatz an kostbaren alten Drucken und Handschriften die sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek oder im Besitz des Erzbistums München und Freising befinden. Dazu zählen sieben Handschriften aus dem 15. Jahrhundert. Quellen • Altomünster, in: Bayern I. Altbayern und Schwaben (= Handbuch der Historischen Stätten. Kröner Taschenbuchausgabe Band 324), hrsg. v. KRÖNER, Hans-Michael und SCHMID, Alois, Stuttgart 2006, S. 22-23. • Altomünster, in: Bayern (= Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands Band 7), hrsg. v. BOSL, Karl, Stuttgart 1961, S. 14-15. • MAYER, Anton: Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, Bd. 1, München 1884, S. 137-145. • http://kirchenundkapellen.de/kirchenab/altomuenster-klk-kurz.php (zuletzt besucht am 25.11.2018) • https://www.erzbistum-muenchen.de/im-blick/kloster-altomuenster/geschichte (zuletzt besucht am 25.11.2018) • https://www.hdbg.eu/kloster/web/index.php/detail/geschichte?id=KS0003 (zuletzt besucht am 25.11.2018) |
Das Archiv des Birgittenklosters in Altomünster umfasst insgesamt 520 Verzeichnungseinheiten aus den Jahren 1428 bis 2011. Sechs Archivalien stammen aus dem 15. Jahrhundert, drei aus dem 16. Jahrhundert. Ein Großteil der Verzeichnungseinheiten entfällt auf das 19. und 20. Jahrhundert. Zunächst findet der Nutzer Akten allgemeinen Inhalts, welche sich keiner der folgenden Rubriken eindeutig zuordnen lassen. Darauf folgt Schriftgut zum Gesamtorden sowie zu den Birgittenklöstern in Syon, Vadstena und Weert. Die nächste Rubrik beinhaltet alle Urkunden und Akten zum Mutterhaus in Altomünster mit der Klosterkirche St. Alto. Dazu zählen insbesondere dessen Baugeschichte und allgemeine Verwaltung, die Durchführung von weltlichen und geistlichen Feiern, Gottesdienste und Sakramente sowie die Verwaltung von Kapital und Immobilien. Es folgt das Schriftgut zu den Schwestern des Birgittenklosters. Hier finden sich unter anderem persönliche Unterlagen zu Ausflügen, Ein- und Austritten sowie Professfeiern und Beerdigungen der Birgitten. Der nächste Klassifikationspunkt umfasst Verzeichnungseinheiten zu dem Tochterkloster in Rom. Der Bestand schließt mit Korrespondenzen sowie Verfügungen und Mitteilungen weltlicher und geistlicher Behörden ab. Vor der Verzeichnung wurde verstreutes Bibliotheksgut aus dem Bestand entnommen und dem Bestand Altomünster in der Dombibliothek Freising zugeführt. Dabei handelte es sich hauptsächlich um Ordensregeln aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Innerhalb des Bestands besonders hervorzuheben ist das sogenannte Alto-Spiel, das seinen Ursprung im 18. Jahrhundert hat und die Geschichte des Einsiedlers Alto in Form eines Theaterstücks erzählt. Das Interesse der Schwestern an den technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts zeigen vor allem die Wochenberichte zur Mondlandung und der Mission Apollo 13.
Anmerkung zur Verzeichnungseinheit mit dem Signatur-Präfix "KB": Bei der Säkularisation der Klöster und Kollegiatstifte 1802/03 wurden deren Archive größtenteils vom Staat übernommen. Die Archive der altbayerischen Klöster und Stifte befinden sich heute im Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Einzelne Unterlagen gelangten jedoch nicht dorthin, sondern zumeist in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Schenkung von ehemaligen Kloster- bzw. Stiftsangehörigen oder durch Ankauf ins Archiv des Erzbistums. Aus den bandförmigen Archivalien klösterlicher oder stiftischer Provenienz wurde hier in den 1960er Jahren der Pertinenz-Bestand „Kloster Bände“ gebildet. Diesem wurden auch einzelne Bände des bischöflichen Geistlichen Rats und des Domkapitels Freising mit Kloster- oder Stiftsbezug eingegliedert. Später übernommene Bände klösterlicher oder stiftischer Herkunft wurden ebenfalls angereiht. Bei der Neuverzeichnung wurden die Bände ihrer jeweiligen Provenienz zugeordnet, behielten jedoch ihre bisherige Signatur (mit dem Signatur-Präfix "KB") und können deshalb auch in einer „alternativen Sicht“ (Kloster Bände) im früheren archivischen Zusammenhang eingesehen werden. |
1. Allgemeine Informationen Bearbeiter: history-today – Büro für Geschichtsforschung Bearbeitungszeitraum: 2019 bis 2020 Umfang: 2540 VE Zitierweise: Für die Wiederauffindbarkeit des Archivales sind lediglich das Archivkürzel und die vollständige Signatur der Verzeichniseinheit nötig, z. B.: AEM, [Signatur]. Wird eine entsprechende Zitierweise bevorzugt, kann nach dem Archivkürzel der Name des Bestandes eingefügt werden. Im Anschluss daran ist auch hier die vollständige Signatur des Archivales anzugeben, z. B. AEM, Salesianerinnen, Beuerberg, [Signatur].
2.Erschließungsarbeit Die Erschließung des Archivs des Salesianerinnenklosters in Beuerberg wurde von Oktober 2019 bis Juli 2020 durch die Firma „history-today – Büro für Geschichtsforschung“ in München durchgeführt. Nach der Schließung des Klosters im Jahr 2014 war eine Inventarisierung des Schriftguts vor Ort vorgenommen worden. Dabei wurde jedem Raum eine Nummer zugeordnet, die auch zur Bildung einer Altsignatur für das darin befindliche Schriftgut herangezogen wurde. Es ergab sich damit für die Archivalien eine Altsignatur bestehend aus der Raumnummer sowie einer drei- bis vierstelligen Nummer zur Durchnummerierung der Akten, z. B.: 139-001, 139-002 etc. Diese wurde soweit möglich übernommen. Allerdings waren die Akten zwischen der Inventarisierung 2014 und Übernahme in das Archiv 2019 bei verschiedenen Räumarbeiten vor Ort teilweise umgeordnet worden, so dass eine eindeutige Zuweisung einer Altsignatur in vielen Fällen nicht mehr möglich war. Die Anlieferung im Büro der Firma „history-today“ erfolgte an fünf Terminen von 18. Oktober 2019 bis 30. April 2020. Insgesamt handelte es sich um 148 Archivkartons, 120 Aktenordner, 8,5m loses Material und 114 Umzugskartons. Weder die Archiv- noch die Umzugskartons wurden dabei nach Räumen geordnet abgegeben. Bewertung und Erschließung erfolgten nach der Archivordnung für Seelsorgestellen und kirchliche Einrichtungen im Erzbistum München und Freising sowie nach den Erschließungsrichtlinien des Archivs des Erzbistums München und Freising. Die Fachaufsicht sowie die archivarische Betreuung oblag dessen Leiter, Herrn Michael Volpert. Bei der Erschließung fand sich ein Karteikartensystem (VE1364), in welchem die Akten und Pläne zu Instandsetzung-, Bau- und Umbaumaßnahmen sowie zu Grundstücksangelegenheiten am Klostergebäude verzeichnet sind. Unter den Klassifikationspunkten Archiv finden sich mehrere, teils unvollständige Inventare von Briefen, Gesuchen an amtliche Stellen und weiteren Dokumenten (VE365, VE366, VE 595, VE1043, VE1046). Auch ein alphabethischer Bibliothekskatalog aus dem späten 19. bzw. frühen 20. Jh. (VE2063) wurde bei der Verzeichnung miterfasst. Bei der Einsicht und Verzeichnung der Akten wurden gleichzeitig eine Entmetallisierung sowie eine grobe Reinigung vorgenommen. Im Anschluss wurden die Archivalien archivgerecht verpackt. Bei der Verzeichnung wurden die einzelnen zu einem Titel gehörigen Akten grundsätzlich in den „Enthält-Vermerk“ aufgenommen. Alle inhaltlich oder formal stark abweichenden Verzeichnungseinheiten, z. B. Fotografien, Diapositive, Videokassetten oder Pläne sind in den entsprechenden „Darin-Vermerk“ enthalten. Sind Archivalien nur in Abschrift oder Xerokopie erhalten, wurde die Datierung des Originals in runde Klammern gesetzt und das Datum der vorliegenden Kopie (sofern bekannt) dahinter vermerkt. Schätzungen des Bearbeiters sind durch eckige Klammern gekennzeichnet. Die Gliederung des Bestandes wurde anhand des vorliegenden Materials neu entwickelt, in ihrer Grundstruktur folgt sie jedoch dem Schema, das auch bei den beiden weiteren erst jüngst bearbeiteten Ordensarchiven der Ursulinen (Landshut) und der Birgittinen (Altomünster) angelegt wurde. Der Zugang zu den einzelnen Archivalien erfolgt gemäß den Schutzfristbestimmungen des Archivs des Erzbistums München und Freising und kann im Einzelfall noch Beschränkungen unterliegen. Die Firma „history-today“ überträgt alle aus dem Urheberrecht herrührenden Nutzungsrechte der Erzdiözese München und Freising. |